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1 grüne Flagge und 1 rote Flagge für das Baidus-Delisting-Dilemma

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Baidu(BIDU 0,91 %) war eine der bekanntesten chinesischen Technologieaktien auf derNasdaq-Börseseit seinem öffentlichen Debüt im Jahr 2005. Es besitzt die größte Online-Suchmaschine des Landes, eine seiner Top-Streaming-Videoplattformen und seine viertgrößte Cloud-Infrastrukturplattform.

Eine Investition von 1.000 US-Dollar in Baidus Börsengang wäre heute etwa 49.000 US-Dollar wert. Der Gewinnbericht für das vierte Quartal im vergangenen Monat, der die Schätzungen der Analysten übertraf, zerstreute auch einige rückläufige Bedenken hinsichtlich des reifenden Werbegeschäfts und deutete an, dass bessere Tage bevorstanden.

Bildquelle: Getty Images.

Doch Baidu ist immer noch einem großen Risiko ausgesetzt, das sich seiner direkten Kontrolle entzieht. Bereits im Jahr 2020 schlug die US Securities and Exchange Commission (SEC) vor, Aktien chinesischer Unternehmen, die ihre Bücher drei Jahre lang nicht dem Public Company Accounting Oversight Board (PCAOB) zugänglich gemacht hatten, von der Börse zu nehmen.

Dieser Vorschlag, der „Holding Foreign Companies Accountable Act“ (HFCAA), wurde anschließend in Kraft gesetzt, und die Regeln wurden im vergangenen Dezember fertiggestellt. Seitdem wurde eine wachsende Zahl chinesischer Unternehmen auf eine Liste von Delisting-Kandidaten gesetzt, was viele Investoren dazu veranlasst hat, Baidu und andere chinesische Technologieaktien zu meiden.

Im vergangenen Monat gab es in diesem andauernden Drama zwei neue Entwicklungen – die als grüne und rote Fahne für Baidu angesehen werden können.

Eine grüne Flagge: China verspricht, mit den US-Aufsichtsbehörden zusammenzuarbeiten

Am 16. März teilte Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua mit, dass die chinesische Regierung die öffentliche Notierung chinesischer Unternehmen an ausländischen Börsen weiterhin unterstützen und mit der SEC und anderen US-Regulierungsbehörden zusammenarbeiten werde, um den Prüfungsstreit beizulegen.

Diese Kommentare deuteten darauf hin, dass China das Variable Interest Entity (VIE)-Modell, das die meisten chinesischen Technologieunternehmen für den Zugang zu den US-Märkten verwendet hatten, nicht ungültig machen würde. VIEs sind umstritten, weil sie ausländische Holdinggesellschaften sind, die gegründet wurden, um chinesische Gesetze in Bezug auf ausländische Direktinvestitionen in sensiblen Sektoren wie Technologie und Bildung zu umgehen. Ausländische Investoren in VIEs wie Baidu haben eigentlich keine Stimmrechte an den zugrunde liegenden Unternehmen. Aber das Verbot der gesamten VIE-Struktur – wie chinesische und US-Aufsichtsbehörden offen diskutiert haben – würde zum sofortigen Delisting der meisten in den USA notierten chinesischen Aktien führen.

Pekings Kommentare deuten auch darauf hin, dass es bereit ist, seine Haltung bezüglich des Verbots ausländischer Wirtschaftsprüfer von der vollständigen Prüfung chinesischer Unternehmen abzuschwächen. China nannte zuvor nationale Sicherheitsbedenken als ein Hauptproblem, wenn es seinen Unternehmen erlaubte, ihre Bücher für ausländische Wirtschaftsprüfer zu öffnen, aber es signalisiert jetzt seine Bereitschaft, mit der SEC einen Kompromiss einzugehen, um ein Massendelisting zu vermeiden.

Rote Fahne: Die USA zerschmettern Hoffnungen auf einen schnellen Deal

Pekings Kommentare ließen Baidu und andere chinesische Aktien zunächst steigen, aber ein Doppelschlag schlechter Nachrichten beendete diese Rallye schnell.

Am 31. März machte SEC-Chef Gary Gensler Hoffnungen auf eine schnelle Einigung zwischen den US-amerikanischen und chinesischen Wertpapieraufsichtsbehörden zunichte. In einem Interview sagte Gensler, dass es bisher „nachdenkliche, respektvolle und produktive Gespräche“ gegeben habe, China aber letztendlich vor „harten Entscheidungen“ hinsichtlich der Zukunft seiner Aktien an den US-Börsen stehe.

Am selben Tag fügte die SEC fünf weitere Unternehmen hinzu – darunter Baidu und seine Streaming-Video-TochtergesellschaftiQiyi(IQ 3,02 %) – auf seine „vorläufige Liste“ von Unternehmen, die von der Börse genommen werden könnten. Baidu sagte daraufhin, es werde „Optionen prüfen“, um mit einem möglichen Delisting fertig zu werden.

Es ist unklar, was diese Optionen sind, aber die beiden wahrscheinlichsten Ergebnisse sind ein freiwilliges Delisting und ein vollständiger Rückzug nach Hongkong, wo es seine Aktien im vergangenen März notierte, oder einfach auf eine Einigung zwischen den USA und China zu warten.

Welche Entwicklung zählt mehr?

Ich glaube, dass die jüngsten Erklärungen und Maßnahmen der SEC für Baidu viel wichtiger sind als Pekings vage Unterstützung für chinesische Aktien. Die SEC hat eindeutig einen Delisting-Countdown für Baidu, iQiyi und andere chinesische Technologieaktien gestartet, und dieser Druck wird ihre Bewertungen weiter drücken.

Auf der anderen Seite wird es nicht zu einem tatsächlichen Delisting kommen, es sei denn, Baidu versäumt es, seine Bücher drei Jahre in Folge gegenüber dem PCAOB zu öffnen. Selbst wenn Baidu von der Börse genommen wird, können seine Anleger ihre ADRs wahrscheinlich gegen eine Gebühr gegen in Hongkong notierte Aktien eintauschen. Sie können diese Aktien auch behalten, es sei denn, die US-Regierung verhängt umfassendere Sanktionen gegen das Unternehmen, wie sie es letztes Jahr gegen Chinas führende Telekommunikationsunternehmen getan hat.

Daher sollten Anleger nicht davon ausgehen, dass Baidu dazu verdammt ist, von der Börse genommen zu werden. Diese Befürchtungen werden jedoch wahrscheinlich über der Aktie schweben, bis wir einige deutlichere Anzeichen für einen Kompromiss zwischen den amerikanischen und chinesischen Aufsichtsbehörden sehen.

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